KAGEDEV — Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland e.V.
Plaidoyer · Interkultureller DialogVeröffentlicht

Koloniales Gedächtnis und Restitution kamerunischer Kulturgüter

In deutschen öffentlichen Institutionen lagern nach der akademischen Studie "Atlas der Abwesenheit" über 40.000 kamerunische Kulturgüter. Ein neuer Koordinierungsrat soll Restitutionen strukturieren. Was bislang fehlt, ist die Frage der menschlichen Überreste.

Historische Fotografie der Ngonnso'-Statue

Historische Fotografie der Ngonnso'-Statue, Gründungsfigur der Nso-Dynastie (Kamerun), 1902 während einer deutschen Militärexpedition entwendet und 1903 dem Berliner Völkerkundemuseum übergeben (Inventarnummer III C 15017).

Foto: Felix von Luschan, gemeinfrei

Veröffentlicht am 13. September 2026Als PDF herunterladen

Auf einen Blick

  • Über 40.000 kamerunische Kulturgüter befinden sich laut akademischer Studie und Vereinsangaben in deutschen Institutionen.
  • Ein Koordinierungsrat für Restitution wurde im März 2026 gegründet.
  • Menschliche Überreste bleiben bislang von den Gesprächen ausgeschlossen.
  • Es gibt kein bundesweites verbindliches Restitutionsgesetz, nur Leitlinien.
  • Der bilaterale Prozess läuft seit 2024 und kann konkret erweitert werden.

Zahlen im Überblick

>40.000 kamerunische Kulturgüter in deutschen öffentlichen Institutionen (Atlas der Abwesenheit 2023, bestätigt durch Dekolonial Erinnern 2025)
Koordinierungsrat für Restitution gegründet 27.03.2026
Runder Tisch "Koloniale Aufarbeitung", erste Sitzung 11/2024
Dialogtreffen Stuttgart 15.01.2024 (regionale Reichweite)
Menschliche Überreste bislang von laufenden Gesprächen ausgeschlossen

Worum geht es?

>40.000 Objekte: Diese Größenordnung wird sowohl von der akademischen Studie "Atlas der Abwesenheit" (Savoy/TU Berlin, Gouaffo/Univ. Dschang, 2023, 45 untersuchte Museen) als auch vom Verein Dekolonial Erinnern (2025) genannt; Letzterer bleibt als Sekundärquelle gegenzuprüfen. Koordinierungsrat für Restitution von Kulturgütern/menschlichen Überresten gegründet 27.03.2026 (Auswärtiges Amt). Runder Tisch "Koloniale Aufarbeitung" erste Sitzung 11/2024. Dialogtreffen Stuttgart 15.01.2024 (regional, nicht bundesweit). Der bekannteste Einzelfall, die Ngonnso'-Statue (Rückgabe von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz seit Juli 2022 zugesagt, Übertragung bis 31.03.2026 nicht vollzogen), zeigt konkret, wie der Ausschluss der menschlichen Überreste aus dem Mandat des Koordinierungsrats in der Praxis wirkt.

Wen betrifft es?

Kamerunische Gesellschaft und ihr kulturelles Erbe; deutsche Museen/Sammlungen; kamerunisches Restitutionskomitee.

Was zeigen die Daten?

Menschliche Überreste sind laut Dekolonial Erinnern (gegenzuprüfen) ausdrücklich von den laufenden Gesprächen ausgeschlossen, obwohl der Koordinierungsrat sie im eigenen Namen führt.

Warum besteht Handlungsbedarf?

Kein bundesweites verbindliches Restitutionsgesetz, nur "Gemeinsame Leitlinien" (soft law). Der Ausschluss der menschlichen Überreste zeigt, dass der Koordinierungsrat sein eigenes Mandat noch nicht vollständig umsetzt.

Was muss sich ändern?

  1. Koordinierungsrat: menschliche Überreste kamerunischer Herkunft ausdrücklich auf die Tagesordnung setzen (nächste Sitzung).
  2. Auswärtiges Amt/KMK/Deutscher Museumsbund: institutionell verifizierte Bestandsübersicht kamerunischer Objekte binnen 24 Monaten.
  3. Kamerunisches Restitutionskomitee als gleichberechtigter Partner einbinden, festes Austauschformat binnen 12 Monaten.
  4. Bund/Länder/Kommunen: Prüfung eines verbindlicheren rechtlichen Rahmens binnen 24 Monaten.

An wen richten sich unsere Forderungen?

Auswärtiges Amt/Staatsministerin, Kultusministerkonferenz, kamerunisches Restitutionskomitee, Deutscher Museumsbund.

Was kann kurzfristig geschehen?

Aufnahme menschlicher Überreste auf die Tagesordnung; erste Bestandsaufnahme kamerunischer Objekte; festes Austauschformat mit dem Komitee.

Was ist langfristig nötig?

Klärung, ob die "Gemeinsamen Leitlinien" ausreichen oder ein verbindlicherer rechtlicher Rahmen nötig ist.

Wie messen wir Fortschritt?

  • Tagesordnungspunkt menschliche Überreste
  • verifizierte Bestandsübersicht
  • festes Austauschformat
  • Prüfergebnis zur Verbindlichkeit
  • Zahl vollzogener Restitutionen

Unsere Haltung

Wir würdigen den Koordinierungsrat als echten Fortschritt und stellen sachlich fest, dass ein zentraler Teil seines Mandats bislang nicht behandelt wird.

Dialog und Zusammenarbeit

Aktiver bilateraler Prozess seit 2024. Noch keine direkte Konsultation zwischen KAGEDEV und den genannten Institutionen dokumentiert.

Quellen und Methodik

Dekolonial Erinnern (Vereinsquelle, gegenzuprüfen), Auswärtiges Amt (offizielle Mitteilungen), Land Baden-Württemberg.