KAGEDEV — Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland e.V.
Plaidoyer · KlimaVeröffentlicht

Wüstenbildung und agropastorale Verwundbarkeit im Extrême-Nord

Im Tschadseebecken verliert das Land seine Fruchtbarkeit, und der See selbst ist auf einen Bruchteil seiner früheren Fläche geschrumpft. Bauern und Viehzüchter im Extrême-Nord Kameruns stehen vor Böden, die weniger tragen, und vor Regen, der unzuverlässiger fällt. Bestehende Programme wie die Grande Muraille Verte kommen nur langsam voran. Wir brauchen mehr Tempo, mehr Mittel und eine Politik, die dort ansetzt, wo die Menschen tatsächlich leben.

Satellitenvergleich des Tschadsees 1973 und 2017

Satellitenaufnahmen von 1973 und 2017 zeigen den dramatischen Rückgang des Tschadsees: Die Wasserfläche beträgt heute weniger als ein Zehntel der Ausdehnung der 1960er-Jahre.

Foto: NASA Earth Observatory, gemeinfrei

Veröffentlicht am 13. September 2026Als PDF herunterladen

Auf einen Blick

  • Der Tschadsee und die Böden des Extrême-Nord verändern sich messbar, auch wenn einzelne Zahlen noch bestätigt werden müssen.
  • Die Grande Muraille Verte existiert seit 2017, kommt aber nach verfügbaren Berichten nur langsam voran.
  • Bauern, Viehzüchter und Fischerfamilien spüren die Folgen zuerst und am direktesten.
  • Bestehende Rahmenwerke wie PAN-LCD und CDN 3.0 brauchen konkrete, überprüfbare Umsetzungsschritte.
  • Eine echte regionale Konsultation der Betroffenen ist bisher nicht dokumentiert.

Zahlen im Überblick

Rückgang der Tschadsee-Fläche: rund 90% in 30 Jahren (Schätzung, zu bestätigen)
Degradiertes Land in Kamerun: rund 12 Mio. Hektar (Datum unklar)
Niederschlagsdefizit: 10-20% (saisonal, 01/2025)
Fortschritt Grande Muraille Verte: rund 4% des panafrikanischen Ziels nach 15 Jahren
Landwirtschaftliche Emissionen: 60,12% der nationalen THG-Emissionen (2022)

Worum geht es?

Der Extrême-Nord Kameruns liegt in einer Region, die sich seit Jahrzehnten verändert. Der Tschadsee hat nach verfügbaren Schätzungen rund 90 Prozent seiner Fläche innerhalb von 30 Jahren verloren (Sekundärquelle, mit Tschadseebecken-Kommission gegenzuprüfen). Rund 12 Millionen Hektar degradiertes Land werden genannt (Medienquelle, unklares Datum, mit MINEPDED/PANLCD zu bestätigen). Die Region erlebte ein Niederschlagsdefizit von schätzungsweise 10 bis 20 Prozent (saisonaler Wert). Seit 2017 beteiligt sich Kamerun an der Grande Muraille Verte (100 Mio ha/33 Mrd USD panafrikanisches Ziel), nach 15 Jahren erst ~4% erreicht (panafrikanischer Wert, nicht isoliert für Kamerun).

Wen betrifft es?

Bäuerinnen und Bauern, Viehzüchter und Fischerfamilien im Extrême-Nord. Junge Menschen ohne Perspektive wandern ab. Frauen, oft für Wasserbeschaffung zuständig, spüren Verknappung zuerst.

Was zeigen die Daten?

Landwirtschaftliche THG-Emissionen: 37.391,87 Gg CO2eq = 60,12% der nationalen Gesamtemissionen (2022, CDN 3.0/UNFCCC); dieser Wert ist national aggregiert, nicht regional aufgeschlüsselt. Rückgang Wasserfläche, Bodendegradation und Niederschlagsdefizit verstärken sich gegenseitig.

Warum besteht Handlungsbedarf?

Wenn Böden weiter degradieren und Wasserquellen schrumpfen, verliert die Region schrittweise ihre Ernährungsfähigkeit. Programme existieren (PAN-LCD 1998, Grande Muraille Verte 2017, CDN 3.0 -35% bis 2030), doch zwischen Ankündigung und Umsetzung klafft eine Lücke.

Was muss sich ändern?

  1. MINEPDED/ONACC: öffentliche Fortschrittsbilanz Grande Muraille Verte für Kamerun binnen 18 Monaten, mit Hektar-Zahlen Extrême-Nord.
  2. MINADER/MINEPIA: gemeinsames Programm angepasster Anbau-/Weidetechniken binnen 24 Monaten, Pilotprojekte in 3 Departements.
  3. Gouverneur Extrême-Nord: regionale Konsultationsstruktur binnen 12 Monaten, halbjährliche öffentliche Anhörung.
  4. MINEPDED: Abgleich der 12-Mio-Hektar-Zahl mit PANLCD-Original binnen 12 Monaten.
  5. Kamerun/Tschadseebecken-Kommission: gemeinsame überprüfbare Messung des Seerückgangs binnen 18 Monaten.

An wen richten sich unsere Forderungen?

MINEPDED, ONACC, MINADER, MINEPIA, Gouverneur Extrême-Nord, Tschadseebecken-Kommission.

Was kann kurzfristig geschehen?

Verlässliche Datengrundlage schaffen (degradiertes Land, Seerückgang, GMV-Fortschritt); Pilotprojekte angepasste Anbaumethoden; erste regionale Anhörung.

Was ist langfristig nötig?

Landwirtschaft mit weniger Wasser/schwierigeren Böden; GMV deutlich beschleunigt; CDN 3.0-Ziele in landwirtschaftliche Praxis übersetzt; dauerhafte Zusammenarbeit mit Anrainerstaaten.

Wie messen wir Fortschritt?

  • Regenerierte Hektar/Jahr (GMV)
  • Wasserfläche Tschadsee
  • teilnehmende Haushalte an Anbauprogrammen
  • Häufigkeit regionaler Konsultationen
  • Entwicklung landwirtschaftlicher THG-Emissionen

Unsere Haltung

KAGEDEV stellt keine Schuldzuweisung in den Vordergrund, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme: Programme existieren, ihr Tempo reicht nicht.

Dialog und Zusammenarbeit

Bereit für Austausch mit MINEPDED, MINADER, MINEPIA, regionalen Behörden. Noch keine direkte Konsultation dokumentiert.

Quellen und Methodik

Alternatives Humanitaires (2025, Tschadsee), Infocongo (degradiertes Land), AllAfrica/IOM (01/2025, Niederschlag), RTBF (GMV-Fortschritt), CDN 3.0 Kamerun/UNFCCC (Emissionen), PAN-LCD (1998, MINEPDED). ---