KAGEDEV — Kamerunische Gemeinschaft in Deutschland e.V.
Plaidoyer · MobilitätVeröffentlicht

Fachkräfteabwanderung: Wer geht, und was Deutschland und Kamerun dabei versäumen

Fast 2.200 Kandidaten wurden 2023 von der IOM für reguläre Arbeitsmigration aus Kamerun begleitet, die meisten qualifiziert. Fast sechs von zehn planen keine Rückkehr. Es gibt kein Arbeitsmigrationsabkommen zwischen Kamerun und Deutschland. Wir fordern einen strukturierten Rahmen mit fairen Bedingungen.

Blick aus einem Flugzeugfenster auf die Gebäude des internationalen Flughafens Douala in Kamerun.

Flughafen Douala, Kamerun — Ausgangspunkt für viele kamerunische Fachkräfte, die nach Deutschland auswandern.

Foto: Fawaz.tairou / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Veröffentlicht am 13. September 2026Als PDF herunterladen

Auf einen Blick

  • Fast 2.200 Kandidatinnen und Kandidaten wurden 2023 von der IOM für reguläre Arbeitsmigration aus Kamerun begleitet, die meisten qualifiziert.
  • Fast sechs von zehn befragten Migrantinnen und Migranten planen keine Rückkehr nach Kamerun.
  • Bildung, Gesundheit und Informatik sind die am stärksten betroffenen Sektoren.
  • Deutschland braucht ausländische Fachkräfte, besonders im Gesundheitswesen, ohne bilateralen Rahmen mit Kamerun.
  • Ein Arbeitsmigrationsabkommen zwischen Kamerun und Deutschland existiert bislang nicht.

Zahlen im Überblick

Rund 2.200 begleitete Kandidatinnen und Kandidaten
Quelle: IOM Kamerun, 2023
76 Prozent qualifizierte Arbeitskräfte in der befragten Stichprobe von 1.346 Personen
59 Prozent planen keine Rückkehr, 31 Prozent nennen bessere Arbeitsbedingungen als Hauptgrund
6.789 kamerunische Studierende in Deutschland eingeschrieben
Quelle: 2024, Destatis/DAAD

Worum geht es?

Kamerunerinnen und Kameruner verlassen ihr Land, um im Ausland zu arbeiten, viele qualifiziert. Deutschland sucht aktiv Fachkräfte, besonders im Gesundheitswesen (Fachkräfteeinwanderungsgesetz, Chancenkarte). Es fehlt ein direkter bilateraler Rahmen zwischen Kamerun und Deutschland.

Wen betrifft es?

Kamerunische Fachkräfte, die ins Ausland gehen; ihre Familien (Überweisungen, aber ausbleibende Rückkehr); das kamerunische Gesundheits-/Bildungssystem; deutsche Institutionen, die auf ausländische Fachkräfte angewiesen sind; 6.789 kamerunische Studierende in Deutschland (2024).

Was zeigen die Daten?

IOM 2023: ~2.200 begleitete Kandidaten, Stichprobe 1.346 (48% Frauen, 76% qualifiziert). Gefragteste Sektoren: Bildung 10%, Gesundheit 9%, Informatik 8%. 59% planen keine Rückkehr; unter allen Befragten der Stichprobe nennen 31% bessere Arbeitsbedingungen als Hauptgrund der Migration. Deutschland: 52.000 ausländisch ausgebildete Ärzte, ~100.000 Pflegekräfte (Anteil 8%→14% seit 2017, alle Herkunftsländer, keine bilaterale CM-DE-Zahl). WHO: 36 von 57 Ländern mit akutem Fachkräftemangel, meist Afrika.

Warum besteht Handlungsbedarf?

76% qualifizierte Arbeitskräfte sind genau die Berufsgruppen, die Kamerun selbst braucht. Kein bilateraler Rahmen strukturiert diese Bewegung. Kamerun arbeitet an nationaler Migrationspolitik (MINREX+IOM, 2024, nicht abgeschlossen).

Was muss sich ändern?

  1. MINREX/Auswärtiges Amt: Sondierungsgespräche zu bilateralem Rahmen binnen 18 Monaten.
  2. MINEFOP/MINSANTE + IOM: sektorale Erhebung zu betroffenen Berufsgruppen binnen 12 Monaten.
  3. BAMF/ZAV: mehrsprachige Information über Rechte/Anerkennung binnen 12 Monaten.
  4. MINREX: Abschluss der nationalen Migrationspolitik binnen 24 Monaten, mit Fachkräfteabwanderung als Thema.
  5. ANPE: Konzept für Wissenstransfer/befristete Rückkehrprogramme binnen 24 Monaten.

An wen richten sich unsere Forderungen?

MINREX, MINEFOP, MINSANTE, ANPE (kamerunische Seite); BAMF und Auswärtiges Amt (deutsche Seite, Entscheidungsträger); IOM Kamerun und ZAV (technische Partner). BMAS trägt als zuständiges Ministerium für die Fachkräfteeinwanderungspolitik allgemeine Mitverantwortung, ohne dass ihm hier eine eigene nummerierte Forderung zugeordnet ist.

Was kann kurzfristig geschehen?

Erste Sondierungsgespräche; sektorale Erhebung; Abschluss nationale Migrationspolitik; Informationsoffensive BAMF/ZAV.

Was ist langfristig nötig?

Bilaterales Arbeitsmigrationsabkommen mit fairen Bedingungen und Ausgleich für Kamerun (Wissenstransfer, Ausbildungspartnerschaften).

Wie messen wir Fortschritt?

  • Dokumentierter Gesprächsprozess MINREX-AA
  • sektoraler Bericht
  • Abschluss nationale Migrationspolitik
  • mehrsprachige Information verfügbar
  • Teilnehmer an Rückkehr-/Transferprogrammen

Unsere Haltung

Wir stellen niemandem die Entscheidung zu gehen infrage. Was uns beschäftigt, ist die fehlende Struktur drumherum.

Dialog und Zusammenarbeit

Noch keine direkte Konsultation dokumentiert. MINREX-IOM-Prozess läuft, nicht abgeschlossen.

Quellen und Methodik

IOM Kamerun (Bericht 09/2024), WHO via Ärzteblatt/Handelsblatt, Destatis/DAAD (2024).